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Soziale Anerkennung der Pflegeleistung, Beruf, Freizeit Wie reagiert meine Umwelt? Was bleibt von der Freizeit? Wie komme ich mit meinem Arbeitgeber zurecht?

Meine Oma                  Zu den Pflegeinfos

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Alt 13.06.2010, 16:12   #1
Lilana
 
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Registriert seit: 13.06.2010
Beiträge: 1
Unglücklich Meine Oma

Hallo,

ich weiß nicht, ob ich in diesem Themenbereich, geschweige denn überhaupt in diesem Forum richtig bin.

Es geht um meine Oma, sie ist 92 und lebt allein in ihrem Häuschen, welches sich in einer grünen Idylle befindet.
Sie wird von der Charitas betreut, hat eine Art "Haushaltshilfe" (eine Bekannte die Mittags zu ihr kommt und mit ihr einkaufen gehts etc.) und abends fährt mein Vater für je ca. zwei Stunden zu ihr.
Ansonsten ist sie allein, sie ist aber für ihr Alter geistig absulut fit und ist auch ganz gut zu Fuß, solange sie bei sich zuhause ist.

Wir wohnen ca. 5 Minuten von ihr entfernt.

Nun, ich bin 20 und habe mein ganzes Leben mit ihr verbracht.
Ich finde, dass sie und ich eine der engsten Bindungen in der ganzen Familie haben, wir teilen beide die Liebe zur Musik und insgesamt...nun hat mein Vater heute irgendetwas davon erzählt, dass sie darüber nachdenkt, zu ihrem anderen Sohn und dessen Familie zu ziehen, die drei Stunden von hier entfernt wohnen, weil es anscheinend in der Zukunft nicht mehr so gehen wird (mit dem allein leben etc.), wie es momentan ist.

Sie fährt da einmal im Jahr für ca. 2 Wochen hin um ein wenig Abwechslung zu bekommen.
Bisher hatte niemand ein Wort darüber verloren, dass sie evtl. hier weg zieht und ich bin so geschockt, ich heul seit heute Mittag ununterbrochen, weil für mich gerade so viel zusammen bricht.

Ich habe jetzt schon nur noch so wenig Zeit sie zu sehen, bin in der FOS nach mehrmaligen Versuchen, das Gymnasium zu schaffen.
Ich sehe sie nur am Wochenende, aber es ist so wichtig für mich und ich dachte auch für sie...
dass sie jetzt vielleicht weggeht zerreißt mein Herz.
Wir leben allein von den Einnahme des Geschäftes meiner Mutter und die sind minimal, ich kann nicht ständig Bahntickets kaufen und ich weiß nicht weiter =((((((((((((((((((((....

Ich wollte früher schon zu ihr ziehen und mich um sie kümmern, als die Rede davon war, dass sie da nicht allein bleiben kann...damals hatte es sich dann von allein gefügt, jetzt sehe ich, wie das alles zusammenbricht.

Ich bin so verzweifelt, ich will nicht, dass diese für mich wichtigste Person aus meinem Leben geht, ich sehe doch, wie unsere Familie in den letzten Jahren immer weniger miteinander zu tun hat.

Wäre es denn nur rein theoretisch möglich, dass ich ihre Betreuung übernehme...........?
Wiegesagt ich bin 20, habe mittlere Reife, bin momentan auf der FOS die mich eh nur zur Verzweiflung bringt und gerade mache ich mir wieder bewusst, wie ich wertvolle gemeinsame Tage, Wochen, Monate, Jahre mit ihr einfach verpasse, weil ich zu eingebunden bin in etwas, das ich so eh nicht will...ich wäre so glücklich, wenn ich mich um sie kümmern könnte, zu ihr ziehen könnte....aber da zieht die Versicherung wohl nicht mit was? und was schreib ich dann in meinen Lebenslauf?
ich kann ja nicht einfach "nichts" tun....wobei ich eh keinen Beruf will, den einzigen den ich wollte, an den komm ich nicht mehr ran...habe keine perspektiven mehr, mein Leben ist eh nur noch grenzwertig und diese Nachricht heute setzt dem ganzen die Krone auf...was kann ich denn nur tun, ich will sie nicht verlieren .........
Zumal sie hier so viele Freunde hat, sie leitet eine Frauengruppe die Aufführungen für Fasching plant und das alles, auch das selbstversorgen hält sie fit.
Ich habe schon so oft erlebt, wenn jemand der alt ist nicht mehr für sich selbst verantwortlich ist, obwohl er es immer war und konnte, dann sieht er sich schnell als überflüssig und geht ein.
Und dabei geht es ihr dort drüben sehr gut...und sie wollte nie da weg.....sie wohnt dort im Paradis, alles ist grün, das Haus ist wunderschön und da steckt so viele Liebe drin, ich glaube, dass nicht viele alte Menschen so schön leben können......=(

Bin total verzweifelt



Lg

Geändert von Lilana (13.06.2010 um 16:46 Uhr)
Lilana ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.06.2010, 20:40   #2
cws
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Ort: Schlachtensee
Alter: 59
Beiträge: 329
Standard AW: Meine Oma

So, wie Du schreibst spürt man eine tiefe Zuneigung zu Deiner Oma.
Hast Du ihr diese auch so gezeigt, hast Du ihr auch das gesagt, was Du hier geschrieben hast?
Ich glaube sie wäre sehr glücklich wenn sie das von Dir hören würde.

Aber letztlich muss es ihre Entscheidung sein, wie und wo sie lebt. Ich glaube, dass sie es sich sicher auch gut überlegt hat. Eine wichtige Rolle spielt auch immer das Gefühl andere nicht zu belasten, den Kindern und den Enkeln keine Möglichkeiten im Leben zu nehmen.

Du machst Deiner Oma wahrscheinlich die größte Freude, wenn Du die Schule erfolgreich abschließt und nicht mit einem "ich habe keine Perspektiven" ins Leben startest.

"Den einzigen Beruf, den ich will" ist sicher eine Einstellung, die Deine Oma nicht glücklich machen würde, sondern eher eine schwungvolle Enkelin, die mit Optimismus das Beste aus ihrem Leben macht.
FOS ist doch nicht schlecht und gibt Dir mehr Möglichkeiten als vielen anderen mit Realschulabschluss oder in der Hauptschule.

Du schreibst, dass Deine Oma so schön wohnt, in der grünen Idylle, aber doch froh über ein bisschen Abwechslung ist. Soziale Kontakte sind wichtiger als ein romantisches Häuschen. Sie will nicht allein sein, sie hat Recht damit.

Zitat:
Ich bin so verzweifelt, ich will nicht, dass diese für mich wichtigste Person aus meinem Leben geht
Du machst gerade eine Erfahrung, die Du noch oft machen wirst, Du erlebst einen Verlust. Du erlebst aber auch, dass die Dinge des Lebens irgendwann weitergegeben werden müssen, das die nächste Generation in die Verantwortung kommt. Ich glaube, dass Du Deiner Oma die größte Freude machst, wenn Du diese Verantwortung annimmst und ihr zeigst, dass Du Deinen Weg gehen kannst.

Wenn Du jetzt zu ihr ziehst, wenn Du Deine weiteren Optionen, Deine Schule, vielleicht ein Studium aufgibst, um sie zu Pflegen, dann übernimmst Du eine Aufgabe, deren Schwere Du wahrscheinlich nicht einschätzen kannst.

Ich an ihrer Stelle wollte das nicht, ich wollte nicht, dass Du Dein Leben, Deine Zukunft gefährdest um eine fürsorgliche Enkelin zu sein.

Mit 92 hat man nicht mehr sehr viel Zukunft, die einzige Zukunft, die einzige Hoffnung sind dann die Kinder und die Enkel, auch deshalb sind sie so wichtig. Damit haben die Kinder und Enkel aber auch Verantwortung, Verantwortung dafür, dass sie ihre eigene Zukunft nicht versauen.

Mach Deine Oma glücklich, indem Du ihr zeigst, dass Du sie liebst, und dass Du Deinen Weg gehst und dich nicht in Ziel- und Hoffnungslosigkeit verlierst.

So würde ich es von meiner Enkelin wollen, viel lieber, als dass sie für mich kocht oder mich eines Tages hasst, weil sie mit der Pflege überfordert ist. Ich wollte, dass sie mich als die geliebte Oma im Gedächtnis behält, nicht als die alte Frau, die ihr eine wunderbare Zeit und die Zukunft genommen hat.
__________________
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cws ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2010, 14:53   #3
Pike
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Standard AW: Meine Oma

Liebe Lilana,

sehr hoffe ich, dass Dir das von cws Geschriebene geholfen hat.!
Es entspricht ganz und gar auch meiner Meinung.
Und irgendwie wird es schon klappen, dass Du Deine Oma vielleicht an jedem zweiten oder dritten Wochenende sehen kannst oder Ihr telefonieren könnt.
Wenn Du die Augen und Sinne aufmachst, wird Dir auch ein Beruf begegnen, der Dich befriedigen kann; bedenke, dass Du noch wunderbar jung bist!

Liebe Grüße
Pike ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2010, 18:33   #4
cws
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Standard AW: Meine Oma

Zitat:
Zitat von Pike Beitrag anzeigen
... sehr hoffe ich, dass Dir das von cws Geschriebene geholfen hat.! ... bedenke, dass Du noch wunderbar jung bist!
Wenn ich das, was ich jetzt geschrieben habe, gelesen hätte als ich 20 war ... ich weiß nicht ob es mir geholfen hätte, aber es ist ganz sicher nicht das, was ich hätte hören wollen.

Ist ja wieder was in der Richtung, was alte Leute immer so sagen
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Alt 18.06.2010, 15:07   #5
Pike
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Ort: Berlin
Alter: 65
Beiträge: 59
Standard AW: Meine Oma

wenn Du hoffentlich eine gleichaltrige Freundin hast, besprich Dein Problem doch mal mit ihr.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur alte Leute wie cws und ich meinen, Du solltest Dein Leben nicht so total quasi im und durch das Leben Deiner Oma leben.
Versuchs!!
Herzlich
Pike
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