Sie sind hier: Startseite | News | Pflege-Chaos, Hartz IV-Chaos, Steuer-Chaos
Pflege-Chaos, Hartz IV-Chaos, Steuer-Chaos
smaller text tool iconmedium text tool iconlarger text tool icon

ChaosBaukloetzeDrei große Systeme der zum Verteilen und Einsammeln von Geld haben wir in diesem Land:

Alle drei haben etwas gemeinsam: Sie sollen gerecht, sozial gerecht sein, und sie sind eng miteinander verzahnt.

Jedes der Systeme versucht ein Höchstmaß an Gerechtigkeit für jeden Einzelnen. Ein Höchstmaß an sozialer Gerechtigkeit, die natürlich nur entsteht, wenn jeder Bedarf berücksichtigt ist, jeder seine Situation gerecht geregelt wieder findet.

Das klappt natürlich nur, wenn jeder denkbare Fall des Bedarfs und des Missbrauchs vom Gesetz berücksichtig wird. Jeder findet seine Situation geregelt. Das ist dann gerecht, denn bei mir ist es ja anders als bei allen anderen also ist es ungerecht, wenn das nicht berücksichtigt ist.

Die Bausteine des Chaos:

  • Das Steuersystem
  • Hartz IV
  • Die Pflegeversicherung

Was ist aber das Ergebnis in der Praxis: Drei unüberschaubare Regelsysteme, die sich gegenseitig beeinflussen, drei Systeme, in denen jeder Fall drin steckt, sich  aber keiner wieder findet. Überregulation nennt man das.

 

Es hat Folgen für den Einzelnen, weil er sich in diesem System nicht zurecht findet. Er kann seine Optionen nicht ausschöpfen, seine Rechte nicht wahrnehmen, ihm geschieht Unrecht.

Wie das kommt? Ganz einfach, niemand ist mehr in der Lage eines dieser Systeme wirklich zu durchschauen. Sie nicht, ich nicht, und auch die Fachleute nicht. Die Fachleute auch nicht? Ja, die auch nicht. Knapp 80% aller Bücher über Steuern weltweit sind in Deutsch, rund 50% der Hartz IV Bescheide sind falsch, die verschiedenen Optionen in der Pflegeversicherung sind unverständlich. Ich muss mir doch nur das Inhaltsverzeichnis dieser Website ansehen.

 

Leistungen mit und ohne Pflegestufe, Barleistung, Sachleistung, Verhinderungspflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege, Rentenversicherung. Das ganze System steigert sich in ein unüberschaubares Wirrwar an Möglichkeiten wenn man die einzelnen Teile zu einem Ganzen verbindet.

Im praktischen Leben gibt es kaum einen pflegenden Angehörigen, der selbst in Hartz IV ist, einen Angehörigen pflegt und noch durchschaut, wie er sein Leben gestalten soll, um so zu leben, dass er seine Regelungen, seine Gerechtigkeit findet. Dann kann ja auch noch der Gepflegte Grundsicherung bekommen, oder Hatz IV. Oder was ist was? Bei denen, die einen Arbeitsplatz haben ist es nicht einfacher, sie stehen oft vor der Wahl: Heim für den Gepflegten oder Hartz IV für alle.

So wird aus dem Guten Willen durch die Überregulierung Ungerechtigkeit, wo doch Gerechtigkeit entstehen sollte.

Es erfordert Mut und Kraft, um in dieser Situation sein eigenes Chaos zu schildern, seine Irrtümer zu zeigen und seine Entscheidungen im Nachherein zu beurteilen. Aber es ist wichtig, um anderen zu zeigen, dass sie nicht allein diese Probleme haben, und um gemeinsam zu versuchen etwas zu ändern.

Stefan Krastel ist einer von denen die es tun. Er schildert den Irrsinn des Systems an seiner eigenen Geschichte. Er schildert auch die "Fallen" in die er gelaufen ist, weil er nicht voher wissen konnte, wie es kommen würde., weil er tat was gewollt ist, aber nicht vorgesehen. Der persönliche Einsatz für den anderen Menschen, die Pflege der Angehörigen, persönliche Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen.

 

 

Einer berichtet von seinem Weg durch das Chaos, wir sollten ihm zuhören.

 

 

Hier ein paar gekürzte Auszüge aus seinem Bericht:

 

Ich bin nicht vermittelbar, weil ich meine Mutter pflege. Seit fast 11 Jahren. Weil ich es gerne tue. Aber auch weil alle anderen Möglichkeiten, Mutter in unseren eigenen vier Wänden zu behalten während ich arbeitete, unbezahlbar wurden, da Mutters Erspartes nach 7 Jahren Pflegebedürftigkeit aufgebraucht war.
Bis dahin hatten wir uns nicht beschwert. Ich hatte mein Friseurgeschäft und habe Mutters Pflege organisiert oder selbst erledigt. Nur: War ich im Geschäft, dann brauchte ich jemanden für Mutter, sorgte ich mich um Mutter, dann brauchte ich jemanden im Geschäft. Hätte ich damals schon gewusst, dass Mutter noch so lange leben würde, dann hätte ich meine Arbeit schon zu Beginn von Mutters Pflegebedürftigkeit aufgegeben, denn im Grunde war das ein Nullsummenspiel.
Doch dass Pflegekasse und Sozialamt sehr wohl in Vollkaskohaftung treten würden, wenn Mutter ins Heim gebracht würde und wir hingegen mit ca. 600 Euro Pflegegeld auskommen sollen (plus Option Hartz IV für die Pflegeperson, wenn deren Erspartes bis auf die Schutzbeträge auch weg ist), um die … Rund-Um-Die-Uhr-Versorgung … sicherzustellen, das musste ich selbst herausfinden. So sieht also die Formel "ambulant vor stationär" in Wirklichkeit aus?
Noch mal: Ich gebe Mutter ins Heim und der Staat zahlt so gut wie alles, in Mutters Fall ca. 3000.- Euro. Ein Teil von Mutters kleiner Rente würde abgezogen. Zwar versucht das Sozialamt, den entstandenen Fehlbetrag, der durch den Heimaufenthalt entsteht, wieder bei den Kindern zu holen. Die Freibeträge, die hier angesetzt werden, führen allerdings nicht zur Verarmung der nächsten Generation. Das will man auch nicht.

 

Lesen Sie seinen ganzen Bericht, von seinem Protestmarsch, von den Widerständen, dem Desinteresse und dem Unverständnis der Verantwortlichen. Unterwegs und bei den Verantwortlichen der Regierung in Berlin.    Hier entlang -->

Den Beitrag im Forum diskutieren.

Aktualisiert am: Sonntag, 01. November 2009 um 10:45
 
Werbung

Miteinander reden, andere fragen im

Link zum Forum