Pflege beginnt fast immer in den eigenen vier Wänden.
In den meisten Fällen erkrankt ein naher Angehöriger aus der häuslichen Lebensgemeinschaft. Es ist der langjährige Ehepartner, der Vater, die Mutter. Der Partner, die Kinder fühlen die Pflicht, sich um ihren Angehörigen zu kümmern, und tun dies auch oft ganz selbstverständlich. Besonders bei Ehepaaren ist die Pflege des erkrankten Partners eine als selbstverständlich empfundene Pflicht.
Es kommt aber der Moment, an dem diese Aufgabe nicht mehr zu erfüllen ist.
Die Pflege kranker Angehöriger zu Hause ist positiv besetzt. Doch selbst die besten Absichten schützen nicht vor Verzweiflung, Bosheiten, gar Gewalt.
Hinterher kommen die Scham – und das Schweigen.
Wie kommt es dazu? Sind die Menschen schlecht? Bösartig?
Selbstverständlich ist jeder gegen Gewalt, aber wie geht es einem, wenn man etwas durchsetzen muss, was der andere nicht versteht? Wenn der andere plötzlich nicht mehr versteht, dass er den Herd abstellen muss, wenn der Partner die Regeln des normalen Umgangs miteinander nicht mehr befolgen kann? Was ist wenn er die Toilette nicht findet, isst wie ein Dreijähriger und auch sonst Dinge tut, die niemand versteht?
In vielen Fällen kapseln sich die Menschen ein, versuchen die Situation nach aussen zu verbergen, und erleben zuhause die Hölle.
Selbstzweifel und Schuldvorwürfe sind die Folge. Soziale Kontakte gehen verloren. Der Pflegende verliert den Kontakt zu Freunden und oft auch zur Familie. Der Gepflegte verbringt die Tage vor dem Fernseher, weil eine Kommunikation zwischen beiden nicht mehr möglich ist. Der Gepflegte kann selbst nicht mehr sozial interagieren.
Letztlich ist in dieser Situation keinem gedient, weder dem Erkrankten, noch dem Pflegenden.
Überforderung
... ist die häufigste Ursache für Agression und Gewalt in der Pflege.

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