ZweiFingerSchritt 1 zur Pflegestufe
Vorbereitung und Beschaffung von Informationen

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ZweiFingerSchritt 2 zur Pflegestufe
Beantragung der Pflegestufen,
der Besuch des Gutachters

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Schritt 3 zur Pflegestufe
Einstufung durch die Kasse,
notfalls: Widerspruch

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Schritt 4 zur Pflegestufe
Umsetzung der Leistungen.
Pflegestufen 1, 2, 3

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Aktuelle Seite: HomeDas Gutachten

Die Einstufung - Der Besuch des Gutachters

Rätschläge und Tipps zur Begutachtung und Einstufung

Das Wichtigste: Der Gutachter kommt um festzustellen, was nicht mehr geht, wo Hilfe benötigt wird. Er kommt nicht um die Leistungsfähigkeit vorgeführt zu bekommen. Wenn die pflegebedürftige Person sagt, „Ich mache immer alles selber“, dann ist das natürlich nicht so günstig!

Leider haben die meisten Menschen das Bedürfnis zu zeigen was sie zu leisten vermögen. Bei der Begutachtung ist diese Einstellung ein schwerer Fehler!

Die Begutachtung erfordert immer einen Hausbesuch in der Wohnung des Pflegebedürftigen. Der Hausbesuch wird angekündigt, der Termin kann aber auch dann noch abgesprochen werden. Es ist sehr wichtig den Pflegebedürftigen bei der Begutachtung nicht allein zulassen,  als Angehöriger oder Pflegeperson, als Vertrauter kann man besser nachhaken. Besser auch ein unangenehmes, weil zum Beispiel intimes Thema als Problem benennen. Inkontinenz wird fast immer als peinlich und demütigend empfunden und auch vor den Gutachter geleugnet. Sie ist aber ein wichtiger Punkt, der zu einem erheblichen Mehraufwand führt.

Der Hausbesuch des Gutachters ist eine Prüfungssituation. In diesem Moment zählt jedes Wort. Eine gute Vorbereitung kann hier helfen.

Man kann und sollte den Besuch des Gutachters vorher besprechen, im günstigsten Fall üben. Ein Rollenspiel, vielleicht zusammen mit einem Pflegedienst kann sich bezahlt machen. Das klingt zuerst blöd, zugegeben, aber wer einmal davon überrascht wurde, was der Pflegebedürftige plötzlich alles kann, der weiß wie wichtig eine gute Vorbereitung ist. Die eben auch darin besteht, dem Pflegebedürftigen zu verdeutlichen warum der Gutachter kommt. 
Sehr hilfreich kann auch eine Pflegedokumentation sein - Welche Tätigkeiten fallen wie oft an, und wie lange dauern sie?
Für den Gutachter zählt vor allem die Körperpflege. Zeigen Sie wie sich der Pflegebedürftige wäscht, erklären sie wie sie es machen, welche besonderen Schwierigkeiten dabei auftreten. Z.B. wenn der Pflegebedürftige uneinsichtig ist, das Waschen verweigert.

Wenn sie den Pflegebedürftige  selbst etwas machen lassen, was er nicht kann, zeigt auch, wie gut sich der Betroffene in seiner Wohnung zurecht findet, oder eben auch nicht. 
Kann der Pflegebedürftige alleine aufstehen? Braucht er dabei Hilfe?  Kann er sich nach dem Toilettengang wirklich vernünftig reinigen? Die Hände waschen? 
Kann der Pflegebedürftige sich alleine anziehen? versuchen sie an diesem Tag nicht unbedingt die praktische Trainingshose oder den weiten Pullover. Lassen sie den Pflegebedürftige an einer Bluse mit Knöpfen, einem Reißverschluss scheitern. Das funktioniert natürlich nicht gegen den Willen des Pflegebedürftigen. Mit Gewalt beweisen geht nie, auch hier nicht.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Ernährung. Wichtig ist dabei nicht die Zubereitung des Essens, sondern das mundgerechte Zerkleinern und die Nahrungsaufnahme. Kartoffelbrei mit dem Löffel ist das eine, aber nehmen Sie als Maßstab für Ihre Antworten das Schnitzel, das geschnitten werden muss, die dünnflüssige Brühe, die zum Mund geführt werden muss. Geht das ohne Probleme?
Besprechen Sie, dass für den Weg zum Arzt eine Begleitung nötig ist.

Rechnen Sie damit, dass der Gutachter auch kleine "Tricks" versucht.
Er bittet den Pflegebedürftigen das Hemd/den Pullover auszuziehen, um ihn zu untersuchen.
Er lässt etwas fallen und bittet den Pflegebedürftigen es aufzuheben, oder er bittet ihm ein Glas zu reichen, dass auf dem Tisch steht. 
o.ä. ... . 

Auch ein bereits tätiger Pflegedienst kann dem Gutachter wertvolle Hinweise geben und sollte daher hinzugezogen werden. Seine Aussagen sind vom Gutachter schwer zu umgehen. Sprechen Sie sich vorher mit dem Pflegedienst ab. Bedenken Sie, dass der Pflegedienst sich bei seinen Aussagen weniger irren darf als Sie. Ihre Aussagen und Einschätzungen sind die Wertungen eines Laien. Sie dürfen die Dinge dramtischer sehen und anders bewerten als ein Profi.

Bei der Feststellung des Pflegebedarfs muss auf die Zeit abgestellt werden, die ein Laie benötigt, nicht die, die eine geübte Pflegefachkraft dafür braucht.
Oft ist es schwer die Zeiten zu belegen, gerade wenn der Pflegebedürftige nicht "mitspielt", wenn er beweisen will was er alles kann. in solchen Fällen ist ein Pflegetagebuch ein gutes Mittel um die tatsächlichen Zeiten und Pflegeleistungen zu dokumentieren und so zu belegen.

Wichtig: Steht die Entlassung aus dem Krankenhaus, der Rehabilitation, bevor und ist absehbar, dass danach ein Pflegebedarf besteht oder ein Heimaufenthalt notwendig ist, so muss die Begutachtung innerhalb einer Woche stattfinden. Oft entscheidet die Pflegekasse hier auch nach Aktenlage. Dies ist wichtig für einen eventuell nachfolgenden Heimaufenthalt, damit sich dort kein Kostenrisiko entwickelt.

Die kurze Begutachtungsfrist gilt auch,

    • wenn der Pflegende bei seinem Arbeitgeber die Inanspruchnahme von Pflegezeit angekündigt, oder Familienpflegezeit vereinbart hat.
    • der Pflegebedürftige ambulant oder stationär in einem Hospiz palliativ versorgt wird.

Es gibt sogenannte "Pflegebegründende Diagnosen". Das sind Erkrankungen, die in aller Regel einen Pflegebedarf nach sich ziehen, hier ist bei einer entsprechenden Diagnose und Beschreibung des Pflegebedarfs durch das Krankenhaus meist eine schnelle Entscheidung nach Aktenlage möglich.

Zu diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit pflegebegründenden Diagnosen gehören:

    • Apoplex (Schlaganfall)
    • Herzinsuffizienz
    • Demenz
    • Totale Inkontinenz
Aber auch hier kommt es immer auf den Einzelfall an, eine bestimmte Pflegestufe ist nicht mit einer bestimmten Erkrankung verbunden.
 
Hinweis: Fragen sie den Gutachter nicht nach der zu erwartenden Pflegestufe. Er kann diese Frage nicht beantworten, das er darüber nicht entscheidet. Die Entscheidung trifft die Pflegekasse, der Gutachter ermittelt nur einen wichtigen Teil der Informationen, die die Pflegekasse für ihre Entscheidung benötigt.
Der Gutachter kann nur die von ihm ermittelten Pflegeminuten mitteilen. Ein erfahrener Sachbearbeiter kann durchaus erkennen, dass z.B. beim Toilettengang Minuten nicht berücksichtigt sind (siehe Grundpflege ).
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